Ein "anderer Dienst im Ausland"


Jan Henrik krahn über sein jahr als zivildienstleistender in baumgartsbrunn


Aufgrund meiner mehrjährigen Mithilfe bei der Aulatechnik im Schillergymnasium Münster wurde ich Ende 2003 gefragt, ob ich bereit sei, unmittelbar nach meinem Abitur den bisherigen Zivildienstleistenden in Baumgartsbrunn abzulösen und dort die Bereiche Computer, Solaranlage und Versorgungsfahrten zu übernehmen.

So flog ich Mitte Juli 2004 zusammen mit meinem Abiturkollegen Otis Gröne mit den Erwartungen an ein afrikanisches Land mit nur Sonne, nur hohen Temperaturen und nur Steppe nach Namibia und kam dort im tiefen Winter frühmorgens bei gemessenen 5 Grad an. Dies sollte nicht die einzige Überraschung werden.

Meine Arbeit in Baumgartsbrunn war sehr vielseitig. Relativ selten brauchte ich mich um die Computer oder die Solaranlage zu kümmern und Versorgungsfahrten standen höchstens zweimal in der Woche an. Einige Male habe ich Gäste für die Lodge vom oder zum Flughafen abgeholt bzw. gebracht.

Vielmehr entwickelte sich die tägliche Farmarbeit zu meiner Hauptaufgabe: Eine Autoladung Holz holen, den Müll wegbringen und Wege wieder instand setzen, Zusammenbauen und Reparieren von Stühlen, Tischen und Schränken bis hin zum Reparieren der Fahrzeuge. Es war nicht immer leicht und es hat mich oft erstaunt, wie die Menschen hier mit den sehr einfachen Mitteln und Werkzeugen, die ihnen zur Verfügung standen, die Sachen zusammengeflickt haben. Sachen, die dann auch hielten.

Die wenige Freizeit, die ich hatte, habe ich mit den Studentinnen des Instituts verbracht und versucht, ihre unterschiedlichen Kulturen kennen zu lernen, denn einige von ihnen kommen nicht aus Namibia, sondern aus den anderen südlich-afrikanischen Ländern wie Botswana, Zimbabwe oder Malawi. Auch war ich oft in Windhoek, fast immer samstags, wenn die Studentinnen ihren Stadttag haben. Ich konnte sogar meinem Hobby, dem Schachspiel, nachgehen: Ich habe an Schnellschachturnieren teilgenommen und mich mit einem namibischen Nationalspieler getroffen, mit dem ich auch heute noch Fernschach spiele.

Namibia ist ein Land, das mehr bietet, als man erwartet und einen immer wieder überrascht. Es war eine Erfahrung fürs Leben, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann.

5. März 2006