Entwicklungspolitischer Nord-Süd-Preis der Stadt Münster


Der entwicklungspolitische Nord-Süd-Preis der Stadt Münster wurde von 2002 bis 2012 alle zwei Jahre verliehen, um vorbildliches entwicklungspolitisches Nord-Süd-Engagement auszuzeichnen.

 

Gemäß ihrer Satzung besteht eine Aufgabe der bürger:sinn:stiftung darin, diejenigen Akteure, die in den Aufgabenfeldern der Stiftung bereits tätig sind, in ihrer Tätigkeit zu unterstützen und ihr sinnvolles Zusammenwirken zu fördern, um die Wirksamkeit ihres Engagements zu erhöhen. Einige Eine-Welt-Gruppen aus Münster griffen dies auf, als die Stadt Münster im Jahre 2007 erklärte, den seit dem Jahre 2002 alle zwei Jahre verliehenen entwicklungspolitischen Nord-Süd-Preis der Stadt Münster nicht mehr finanzieren zu können.

 

Die bürger:sinn:stiftung nahm diesen Ball auf und lobte den Nord-Süd-Preis in den Jahren 2008, 2010 und 2012 gemeinsam mit der Stadt Münster aus. Dabei wurde das Preisgeld in Höhe von  5000.- € jeweils von der bürger:sinn:stiftung zur Verfügung gestellt. Außerdem unterstützte die Stiftung die inhaltliche Ausgestaltung der Ausschreibungsbedingungen und half auch bei der Ausrichtung der Preisverleihung.

Im Anschluss an die Preisverleihung stellten alle Bewerber ihre Projekte im Stadthaus I aus. Die Ausstellung bot eine gute Gelegenheit, um nach dem Festakt auf die Preisträger anzustoßen und mit den verschiedenen entwicklungspolitisch engagierten Gruppen ins Gespräch zu kommen.

Ausgezeichnet wurden jeweils vorbildliche. Neben der Anerkennung von vorbildlichen entwicklungspolitischen Münsteraner Initiativen und der finanziellen Unterstützung durch das Preisgeld beabsichtigten Stadt und Stiftung, mit dem Preis die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die zahlreichen kommunalen Projekte und Initiativen der Entwicklungszusammenarbeit zu richten und auf die große gesellschaftliche Bedeutung dieses Themas hinzuweisen. Und die Projekte sollten darin bestärkt werden, ihre kommunale und globale Entwicklungsarbeit engagiert fortzuführen.

 

Grundsätzlich konnte sich jede entwicklungspolitisch engagierte Person oder Personengruppe aus Münster um den Preis bewerben, die die Kriterien der Ausschreibung erfüllte. Von zentraler Bedeutung waren die Zukunftsfähigkeit der Projekte, Dauer und Beständigkeit des ehrenamtlichen Engagements, Nachhaltigkeit und Wirksamkeit der Maßnahmen sowie der motivierende und bewusstseinsbildende Charakter der Projekte.

Nun bewarben sich für den Nord-Süd-Preis höchst unterschiedliche Initiativen. Mochten es Organisationen sein, die sich um die Probleme von Asylanten oder Flüchtlingen kümmern, Betreiber von Eine-Welt-Läden, Theater- oder Tanzgruppen usw. Die Spannbreite war so groß, dass einheitliche Kriterien nicht allen Bewerbern gleichermaßen gerecht werden konnten. Um diese Vielfalt nicht einzuebnen, sondern im Gegenteil verstärkt zur Geltung zu bringen, hatte sich die Jury für eine flexible Vorgehensweise entschieden.

Im Jahre 2011 wurden gemeinsam mit dem Beirat für kommunale Zusammenarbeit der Stadt Münster die Ausschreibungsrichtlinien überarbeitet. Das Ziel: die Bewerbungshürde für kommunale Gruppen und Initiativen weiter zu senken, um auch speziell jungen und sehr kleinen Projekten und Initiativen eine Teilnahme zu ermöglichen. Außerdem hatten sich die Stadt Münster und die bürger:sinn:stiftung vorgenommen, dass die Ausschreibung und Verleihung des Preises durch mehr Öffentlichkeitsarbeit flankiert werden sollte.

Wenngleich viele in der Entwicklungszusammenarbeit tätige Vereinigungen und insbesondere natürlich die ausgezeichneten Preisträger das Engagement der bürger:sinn:stiftung sehr zu schätzen wussten, fiel aufgrund der Erfahrung von drei Preisverleihungen und nach gründlicher Beratung in den Gremien der Stiftung - nicht ohne Bedauern, aber einstimmig - die Entscheidung, die Auslobung des Preises nicht länger finanzieren und administrativ unterstützen zu wollen. Dabei spielten insbesondere drei Gründe die entscheidende Rolle:

1.     Der Preis und auch seine festliche Verleihung im Rathausfestsaal fanden in der Stadtöffentlichkeit und in den Medien nicht die Beachtung, die die Stiftung sich für das wichtige Nord-Süd-Thema erhofft hatte.

2.     Die Hoffnung, dass sich der Nord-Süd-Preis als eine Art Kristallisationspunkt der Entwicklungszusammenarbeit für die über einhundert in Münster aktiven Eine-Welt-Gruppen herausbilden und zu ihrer wirksamen Vernetzung beitragen könnte, erfüllte sich nicht.

3.     Der hohe administrative und auch finanzielle Aufwand für die Begleitung des Preises stand somit in keinem angemessenen Verhältnis zu seiner entwicklungspolitischen Wirkungskraft.

 

Daher beschloss die bürger:sinn:stiftung, andere Formate und Instrumente für die lokale Förderung der Entwicklungszusammenarbeit zu suchen, z.B. thematische Veranstaltungen, in denen die verschiedenen Gruppen ihre Erfahrungen austauschen und Kriterien sinnvollen Handelns formulieren und begründen. Als mögliche Themen wurden z.B. genannt,

·         Methoden und Probleme der Mittelverwendungskontrolle in Förderprojekten im Ausland;

·         Kriterien einer wirksamen Hilfe zur Selbsthilfe,

·         Sicherstellung der schrittweisen administrativen, personellen und finanziellen Unabhängigkeit von Hilfe aus den Industrieländern.

 

Die Stiftung steht als Forum und Förderer für Initiativen in dieser Richtung gerne zur Verfügung.